Wir waren schon wieder bei der nordddeutschen Vereinsmeisterschaft

Zum vierten mal in Folge konnten wir uns bei der Landesvereinsmeisterschaft einen Platz bei der norddeutschen Vereinsmeisterschaft erspielen. Wir traten erneut mit der bereits bewährten Mannschaft um Toshi, Chidera, Savas, Jakob und Tom an, die letztes Jahr auf Platz 7 landeten und per Freiplatz auch zur deutschen Meisterschaft fahren konnten, wo wir den 8. Platz belegten. Dieses mal ging es nicht wie üblich nach Magdeburg, sondern nach Osnabrück.

Dieses Jahr zum ersten mal in der U16 sind wir wieder der junge Jahrgang und in der Setzliste auf Platz 6 anzutreffen. Neben uns nahmen aus Schleswig-Holstein auch Agon Neumünster und der Elmshorner SC an der Meisterschaft teil.

Ausnahmsweise funktionierte dieses mal sogar die Deutsche Bahn. Die Fahrzeit von nur 3 Stunden verlief recht entspannt und war nach den 11 Stunden nach Plauen im Dezember eine willkommene Abwechslung.

Tag 1

Bei 18 Mannschaften und auf Startlistenplatz 6 spielten wir in der Runde ,,nach unten“ d.h. gegen einen nominell schwächeren Gegner. Dieser entpuppte sich als SK Bremen-Nord. Bei 5 Spielern aber nur 4 Brettern muss natürlich jede Runde einer unserer Spieler aussetzen, wobei normalerweise jeder mindestens einmal an der Reihe ist. Dies lässt aber auch einigen Spielraum für strategische Überlegungen, denn die Gegner können sich nicht mehr auf einen sicheren Gegner vorbereiten.

In Antizipation, dass alle späteren Gegner wahrscheinlich stärker sein würden und um eine gezielte Vorbereitung auszustechen setzten wir in Runde 1 direkt Toshi auf die Bank, wodurch alle anderen ein Brett hoch rutschten. Dies ging auch ohne Probleme auf, denn auch ohne unser Brett 1 waren wir an allen Brettern klar favorisiert und erzielten einen problemlosen 4-0 Sieg.

In der zweiten Runde bekamen wir dann direkt den Erstgesetzten vorgesetzt, nämlich Rochade Braunschweig. Obwohl wir nominell der Underdog waren rechneten wir uns gewisse Chancen aus, da gerade im oberen Teilnehmerfeld alle Mannschaften relativ nah beisammen waren was die Spielstärke betrifft und der Vorteil der Braunschweiger sich nur auf die Bretter 1 und 4 beschränkt, während die Bretter 2 und 3 ausgeglichen.

Nach einer Stunde erhielt diese Hoffnung allerdings einen starken Dämpfer, denn obwohl wir alle sehr gut aus der Eröffnung kam verlor Savas dann doch recht schnell seine Partie und mit seinen Worten ,,ich wurde komplett zerstört“ gingen wir in Rückstand. Besser lief es für Tom, der an Brett 4 seinem 250 DWZ-Punkte höher angesetzten Gegner einen halben Punkt abringen konnte. Dieser halbe Brettpunkt konnte jedoch keinen Ausschlag für den Mannschaftskampf machen, denn nachdem auch Toshi seine Partie verlor war die Gesamtniederlage bereits besiegelt. Auch der Sieg von Chidera verkürzte nur noch zum 1½-2½ Endstand. Trotzdem waren wir nach dieser knappen Niederlage gegen den Turnierfavoriten nicht unzufrieden, denn die Feinwertung des Turniers ist die Ext. So-Berg, die sich durch das Produkt unserer Brettpunkte mit den Mannschaftspunkten unserer Gegner und 2 errechnet. Falls z.B. Braunschweig am Ende 10 MP haben würde, bekämen wir 2*10*1½=30 ESB für diesen verlorenen Mannschaftskampf, was im Kampf um eine potentielle Qualifikation für die deutsche Vereinsmeisterschaft noch wichtig werden wird.

Am Abend des ersten Tages gab es dann noch ein Blitzturnier, bei dem unsere Jungs mitspielten. Dabei konnte Toshi den 5. Platz erreichen.

Tag 2

Über die letzten drei Jahren haben sich 3 Sachen jedes Jahr wiederholt: 1) Die Bahn hat immer Verspätung. 2) Wir spielen in der letzten Runde 2:2 gegen SV Werder Bremen. 3) Ich habe einen sehr laut schnarchenden Zimmergenossen und 4) Wir spielen gegen einen anderen Verein unseres Landesverbandes.

Nummer 1 blieb ja dieses Jahr schon aus. Nummer 2 bleibt abzuwarten. Nummer 3 war diesmal auch wieder erfüllt, liebe Grüße gehen an dieser Stelle raus an David falls du das liest und Nummer 4 ist natürlich auch unausweichlich. In der dritten Runde spielten wir gegen unsere Freunde vom SC Agon Neumünster.

Nominell waren wir erneut der klare Favorit, doch der Mannschaftskampf verlief deutlich spannender als erhofft. Während Chidera schnell gewann übersah Tom eine Taktik, die ihm den Partieverlust einbrachte. Beim Stand von 1-1 lief es bei Jakob auf Remis hinaus, was keine große Überraschung war, denn sein Gegner war Johann Leander Langer, der bei den Raisdorfer DWZ-Turnieren insgesamt in 9 Partien 9 mal Remis gespielt hat. Die Partie sollte sich also bei Toshi entscheiden, dessen taktische Stellung jeden Ausgang offen ließ. Daraufhin gab ich Toshi das Mannschaftsführerband, in der Hoffnung, er würde schon verstehen, dass er sobald er denkt seine Stellung zu gewinnen Jakob zum Remisangebot raten solle um den Mannschaftssieg abzusichern. Exakt das ist dann auch passiert. Noch während Toshi spielte vereinbarte Jakob ein Remis und mit dem abschließenden Sieg an Brett 1 konnten wir unsere Landeskollegen, wenn auch knapp, besiegen.

In der Nachmittagsrunde trafen wir dann auf den Gastgeber, den Hagener Schachverein (nicht das große Hagen in NRW). Dieser Mannschaftskampf war vergleichsweise entspannt, denn unsere Jungs standen die meiste Zeit durchweg super. Jakob brachte uns schnell mit 1:0 in Führung und etwas später erhöhte Chidera auf 2:0. Bei Toshi war ein Schwerfigurenendspiel auf dem Brett, bei dem er zwar leicht unter Druck stand, aber ein Dauerschach oder die Abwicklung in ein Remisendspiel wahrscheinlich war. Savas hatte hingegen 2 Läufer gegen einen Turm und auch wenn nicht sicher war, ob Savas diese Stellung gewinnen würde, erschien eine Niederlage sehr unwahrscheinlich. Obwohl wir draußen zwei Remis vermuteten endete am Ende keine der Partien in der Punkteteilung. Toshi beging einen kritischen Fehler als er auf den Damentausch verzichtete und verlor am Ende noch sein Endspiel. Wir kamen noch kurz ins Zittern, doch Savas hatte ein wenig Glück auf seiner Seite, als sein Kontrahent ohne Not den Turm einstellte, was die unsichere Partie, die trotzdem etwas besser für uns war, sofort entschied.

Mit 3 Siegen aus 4 Partien hatten wir damit einen besseren Stand als je zuvor. Die letzten Jahre hatten wir nach 4 Partien immer nur 2 Siege und 2 Niederlagen.

Tag 3

Dem bisherigen Erfolg entsprechend erwartete uns in der 5. Runde dann der Tabellenführer Barnimer SF. Diese hatten bislang jeden Mannschaftskampf gewonnen und waren uns nominell nicht mal allzu überlegen. Tom konnte ja schon einmal einem stärkeren Gegner einen halben Punkt abnehmen, aber dieses mal setzte sich sein Gegner, der insgesamt ein überragendes Turnier spielte, schnell durch und wir gerieten früh in Rückstand. Nach einem langen harten Kampf konnte Toshi dann den Ausgleich erzielen, indem er sein Turmendspiel zum Sieg brachte. Zu diesem Zeitpunkt stand es zwar 1:1, aber wir hatten bereits keine Hoffnungen mehr noch etwas zu holen, denn Chidera und Savas standen beide komplett auf Verlust. In einem Turmendspiel konnte Savas sich irgendwie noch ins Remis retten, doch nach Chideras Niederlage verloren wir den Mannschaftskampf knapp mit 1½-2½.

Um diese Niederlage zu verdauen gab es anschließend erstmal einen fetten Döner.

Um noch einen Qualifikationsplatz erreichen zu können musste nun in Runde 6 ein Sieg her. Unser Gegner war die Schvgg Blankenese, die wir bereits aus der Jugendbundesliga kannten und dessen Betreuer mein Zimmergenosse war. Aufgrund der räumlichen Nähe der Teams in der Herberge bestand schon vor der Runde reger Kontakt zu der Hamburger Mannschaft, die es ebenfalls auf einen Qualifikationsplatz für die DVM abgesehen hatte.

Zuerst brachte Toshi uns in Führung, er seinen Gegner im Endspiel ,,komplett zusammenschob“ (Zitat: besagter Gegner). Anschließend akzeptierte Tom in leicht besserer Stellung ein Remisangebot auf Anraten Chideras, der ab der 5. Runde den Mannschaftsführer übernahm. Zu diesem Zeitpunkt war noch alles offen, doch bereits wenig später sah sich Jakob einem vernichtenden Angriff gegenüber, bei dem sein Gegner einiges an Material opferte und schließlich den König matt setzte. Beim Stand von 1½-1½ begann nun die wahrscheinlich spannendste Phase des gesamten Turniers, denn Chidera kämpfte mit einem Bauern weniger im Schwerfigurenendspiel ums Remis. Sollte er verlieren, wären wir raus aus dem Rennen um Platz 4, den wir für die DVM-Quali erreichen müssten. Die Stellung war sehr kompliziert, sodass sein Gegner mehrmals Zugwiederholungen durchführte, um mehr Zeit zu kriegen nach dem Gewinnweg zu suchen. Seit Jakobs Niederlage waren fast 2 Stunden vergangen und die Kantine hatte mittlerweile schon geschlossen. Chidera verlor noch einen Bauern und gab schließlich die Qualität für diese beiden Bauern ab. Ich selbst bin meinem Blutdruck zuliebe der Partie ferngeblieben aber die Augenzeugenberichte wurden immer düsterer für uns. Doch Chidera wehrte sich immer weiter und konnte sich nach 5½ Stunden in ein Dauerschach retten. Der wahrscheinlich am härtesten erkämpfte halbe Punkt des Turniers hielt uns mit einem 2-2 gegen Blankenese im Turnier

Am Abend gab es dann noch ein Tandemturnier, bei dem das Team ,,Fynn Lasse“, bestehend aus Chidera und Toshi alle 7 Partien gewann und den ersten Platz abräumte. Anschließend veranstalteten wir noch eine große Pokerrunde mit Teilnehmern von Raisdorf, Neumünster, Elmshorn und Blankenese

Tag 4

In der letzten Runde bekamen wir nochmal einen Brecher vorgesetzt, nämlich den Zweitgesetzten Hamburger SK, der überraschend viele Punkte hat liegen lassen. Mit einem Sieg, so dachten wir, wäre uns der 4. Platz so gut wie sicher. Die Barminer SF hatten bereits sicher gewonnen und auch der 2. Platz war quasi klar. Die Zehntgesetzten Königsspringer Hamburg mit 8 Mannschaftspunkten würden gegen Barnim sicherlich verlieren und von uns überholt werden. Anschließend würden dann die Mannschaften mit 9 Mannschaftspunkten in der Feinwertung die nächsten Plätze unter sich ausmachen und von allen 6 Mannschaften mit aktuell 7 MP hatten wir uneinholbar nach oben und unten die Zweithöchste Ext. So-Berg.

Die Partien waren nicht von taktischen Schlachten geprägt, sondern von positionellen Endspielen. Die Ausnahme davon bildet Jakob, der früh ein Remis vereinbarte. Toshi stand zwischenzeitlich komplett auf Verlust, doch sein Gegner stellte die Partie noch wieder ein, wodurch auch an Brett 1 ein Remis entstand. Es sah nun alles nach 4 Remisen aus, doch wie schon früher zeigte Chidera, dass er auch halbe Punkte nur ungern abgibt und er brachte sein Läuferendspiel tatsächlich über die Ziellinie zum Sieg. Zu diesem Zeitpunkt hatte Savas einen Bauern mehr und befand sich in einem Endspiel auf nur noch zwei Ergebnisse. Ein Verlust war für uns ausgeschlossen. Nach einem langen Kampf, der erneut die Öffnungszeiten der Kantine überschritt, gewann er sogar zum 3-1 Endstand.

Leider wurde uns bereits während es noch 1-1 stand klar, dass wir doch nicht auf dem 4. Platz landen würden, den überraschenderweise gewannen die Königsspringer Hamburg gegen Turniersieger Barminer SF und blieben damit mit nun 10 MP doch vor uns. Als 5. Platz sind die Chancen auf einen Freiplatz allerdings sehr hoch.

Mit der Feinwertung konnten wir zwar Blankenese ausstechen, aber wir blieben hinter Rochade Braunschweig zurück, die sich Platz 4 sichern würden. Umso schockierter waren wir, als wir bei der Siegerehrung plötzlich als 6. Platz aufgerufen wurden. Blankenese hatte uns tatsächlich noch überholt.

Allerdings konnte das gar nicht sein und nach einer kurzen Prüfung fiel auf, dass unser Ergebnis in der letzten Runde falsch eingetragen wurde. Laut Ergebniszettel hatte Savas verloren. Vermutlich hatte jemand versehentlich 0-1 eingetragen, weil Savas mit Schwarz gewonnen hatte, aber der Zettel ist natürlich nicht nach Farbe, sondern nach Mannschaft sortiert. Von uns hatte auch niemand den Ergebnisbogen überprüft und unterschrieben. Weil Savas so lange gespielt hatte wurde dieser zügig von den Turnierleitern eingesammelt um die Siegerehrung vorbereiten zu können.

Nach einer kurzen Überprüfung der Partieformulare wurde dann aber das richtige Ergebnis eingetragen und wir landen doch auf dem von uns erspielten 5. Platz vor Blankenese.

Insgesamt war das Turnier trotzdem sehr erfolgreich für uns. Wir haben uns erneut als eine Macht präsentiert, mit der in der ganzen Republik zu rechnen ist. Mit 9 – 5 Mannschaftspunkten haben wir dieses Jahr unsere beste NVM jemals gespielt. Besonders Chidera hat mit 5½/7 Punkten ein überragendes Turnier gespielt. Die hat er sich aber auch verdient, da er um jeden halben Punkt bis zum umfallen gekämpft hat und sich teilweise über eine Stunde auf seine Gegner vorbereitet hat (das ist auch der Grund weshalb er als einziger nie aussetzen musste).

Außerdem

war das Turnier nicht nur sportlich ein Erfolg. Die Jungs gehen zwar immer noch nicht pünktlich ins Bett oder stehen rechtzeitig auf, aber insgesamt war das Turnier im Vergleich zu den letzten Jahren deutlich entspannter.

Die Deutsche Vereinsmeisterschaft findet vom 26.12. – 30-12- in Heidelberg statt. Ob wir uns um einen Freiplatz bewerben steht zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest. Falls die Jungs aber gerne fahren wollen und die Zeit finden spricht wohl nichts dagegen.

v.l.n.r Jakob, Chidera, Savas, Tom, Ich, Toshi